Architektur in Skandinavien

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war die Architektur der meisten Gebäude geographisch relativ einfach zuzuordnen. Insbesondere im ländlichen Raum spielten das Klima, die funktionalen Bedürfnisse und die Verfügbarkeit von Baumaterialien eine große Rolle. So wiesen die Häuser je nach Region sehr typische Merkmale und Identitäten auf. Aufgrund der modernen Baumaterialien und geänderten Lebensbedingungen spielen oben genannte Faktoren heute keine allzu große Rolle mehr.

Auf Skandinavien bezogen bedeutet dies, dass viele Ressourcen fehlten, Holz allerdings in ausreichendem Maße zur Verfügung stand und dieser Baustoff daher vordergründig eingesetzt wurde. Bedingt durch den niedrigen Sonnenstand war es wichtig, möglichst viel Tageslicht ins Haus zu bringen, was durch große Fensterflächen gelöst wurde.

Auch wenn sich heute Gebäude international immer mehr ähneln, so wird in Skandinavien weiterhin Holz vordergründig als Baustoff eingesetzt, was zusammen mit den großen Glasflächen für eine Art nordische Marke steht. Außerdem hat sich in der modernen Bauweise in Schweden die Verbindung von Natur und Wohnen immer mehr durchgesetzt.

So wird bei Einfamilienhäusern darauf geachtet, dass sich der Einzelne entfalten kann, ohne dadurch andere zu stören – weder die Nachbarn, das ökologische Gleichgewicht oder das ästhetische Empfinden. Dies wird durch die Einfachheit, Reduziertheit und Effizienz erreicht, jedoch ohne auf Ästhetik und Funktionalität zu verzichten.

Die Formen der Häuser sind sehr einfach und sie bestehen aus natürlichen Materialien. Oft wird das Licht kunstvoll instzeniert, indem Tageslicht über Lichtschächte, Oberlichter und Dachfenster kommt.

Wirft man einen Blick in die modernen skandinavischen Häuser, merkt man, dass die Einrichtung zurückhaltend ist und ein gut genutzter Stauraum für Ordnung sorgt. Für Mitteleuropäer kann dies im ersten Eindruck als Leere wirken, was für Skandinavier als Freiheit wirkt. Vielleicht ist diese Leere auch der Weite der skandinavischen Landschaft nachempfunden.

In Architektenkreisen wird im Zusammenhang mit der modernen Skandinavischen Bauweise sogar von einer “Diät des Bauens” gesprochen, weil auf alles Unwesentliche verzichtet wird, zugunsten von Leere und Raum.